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Microsoft Entra Internet Access: Mehr Transparenz und Kontrolle für KI-Anwendungen

Erkennen, kontrollieren und absichern: So schützt Microsoft Entra Internet Access vor Shadow AI, Prompt Injection und Datenlecks.
18. Juni 2026
Bild von Florian Schnepf
Florian Schnepf
Bild von Florian Aschbichler
Florian Aschbichler

Die Einführung generativer KI-Tools hat die Arbeitswelt revolutioniert – und gleichzeitig eine neue Kategorie von Sicherheitsrisiken geschaffen. Mitarbeiter nutzen täglich Dutzende von KI-Diensten wie ChatGPT, Claude, Gemini oder spezialisierte KI-Assistenten, oft ohne Wissen oder Genehmigung der IT-Abteilung. Dieses Phänomen trägt einen Namen: Shadow AI.

Ähnlich wie Shadow IT – die unkontrollierte Nutzung nicht genehmigter Software und Cloud-Dienste – beschreibt Shadow AI die Verwendung von KI-Werkzeugen außerhalb des IT-Governance-Rahmens eines Unternehmens. Der Unterschied: Das Risiko ist potenziell gravierender. Während ein nicht genehmigtes File-Sharing-Tool hauptsächlich Datenverluste riskiert, können KI-Dienste sensible Geschäftsinformationen, Kundendaten oder geistiges Eigentum direkt in externe Modelle übertragen – ohne dass die IT-Abteilung auch nur eine Ahnung davon hat.

Laut Microsoft fühlen sich nur 9 % der Organisationen ausreichend vorbereitet, um Risiken wie Shadow AI, Prompt-Injection-Angriffe und fragmentierte Sicherheitskontrollen zu begegnen. Das ist eine alarmierende Zahl – und gleichzeitig ein klares Signal, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Was ist Shadow AI – und warum ist es so gefährlich?

Shadow AI entsteht dort, wo Mitarbeiter KI-Tools nutzen wollen (und sollen), aber keine offiziell genehmigten Alternativen bereitstehen – oder wo das Onboarding neuer Tools einfach zu langsam ist. Das Resultat: Entwickler pasten intern klassifizierten Code in ChatGPT, Vertriebsmitarbeiter laden Kundendaten in einen KI-Assistenten hoch, HR-Teams verwenden öffentliche Modelle für die Analyse von Bewerbungsunterlagen.

Die Risiken sind vielschichtig:

  • Datenlecks: Sensible oder vertrauliche Informationen gelangen unkontrolliert zu externen KI-Anbietern.
  • Compliance-Verstöße: DSGVO, HIPAA, NIS2 und andere Regularien können verletzt werden, wenn personenbezogene Daten ohne Genehmigung verarbeitet werden.
  • Prompt Injection: Angreifer können KI-Modelle durch manipulierte Eingaben dazu bringen, unbeabsichtigte Aktionen auszuführen oder sensible Informationen preiszugeben.
  • Fehlende Auditierbarkeit: Ohne Sichtbarkeit in die KI-Nutzung ist eine nachträgliche Analyse von Sicherheitsvorfällen kaum möglich.
  • Unkontrollierte Ausgaben: Niemand weiß, was die KI an Dritte zurückgibt oder in externe Systeme schreibt.

Microsoft Entra Internet Access: Eine Antwort auf Shadow AI

Microsoft hat mit Microsoft Entra Internet Access – als Teil von Global Secure Access – eine direkte Antwort auf diese Herausforderungen entwickelt. Internet Access ist ein cloudbasiertes, identitätsorientiertes Secure Web Gateway (SWG), das den gesamten ausgehenden Internetverkehr eines Unternehmens absichert. Es ist kein klassisches Proxy-Tool, sondern eine vollständig in die Microsoft Entra-Identitätsplattform integrierte Security-Schicht, die Netzwerk-, Identitäts- und Endpunktkontrolle zusammenführt.

Für das Thema Shadow AI bietet Internet Access folgende Kernfunktionen:

1. Shadow AI Discovery: Sichtbarkeit als erster Schritt

Der erste Schritt zur Kontrolle von Shadow AI ist Sichtbarkeit. Shadow AI Discovery analysiert den Netzwerkverkehr der Benutzer und identifiziert alle Verbindungen zu generativen KI-Anwendungen und -Diensten – einschließlich ChatGPT, Claude, Gemini, DeepSeek, SaaS-MCP-Servern und KI-Modell-Provider-Frameworks.

Erkannte Anwendungen werden automatisch mit dem Microsoft Defender for Cloud Apps Cloud App Catalog abgeglichen. Dieser Katalog kategorisiert Apps und vergibt Risiko-Scores basierend auf allgemeinen Sicherheits- und Compliance-Kriterien. Administratoren sehen auf einen Blick:

  • Welche KI-Apps werden in der Organisation genutzt?
  • Wie viele Benutzer nutzen eine bestimmte App?
  • Welches Risikoprofil hat die jeweilige Anwendung?
  • Wie hoch ist das transferierte Datenvolumen pro App?

Die Funktion ist über das Entra Admin Center unter Global Secure Access → Applications → Insights & Analytics → Cloud Applications erreichbar. Mit dem Filter „Generative AI apps and tools“ lassen sich alle KI-relevanten Dienste gezielt filtern und analysieren.

Shadow AI Discovery hilft Security-Teams nicht nur, unbekannte Risiken aufzudecken, sondern liefert auch die datenbasierte Grundlage für fundierte Entscheidungen: Welche Apps werden blockiert? Welche werden in den offiziellen Genehmigungsprozess aufgenommen?

2. Conditional Access für KI-Anwendungen

Sichtbarkeit allein genügt nicht. Internet Access ermöglicht die Anwendung von Conditional-Access-Richtlinien direkt auf entdeckte KI-Applikationen. Das bedeutet: Sicherheitsteams können differenziert reagieren.

  • Risikoarme, genehmigungsfähige Apps werden in den regulären Freigabeprozess überführt.
  • Hochriskante oder nicht-konforme Apps werden sofort blockiert.
  • Für bestimmte Nutzergruppen (z. B. Entwickler) können spezifische Ausnahmen definiert werden.

Diese granulare Steuerung erlaubt es Unternehmen, KI-Nutzung zu ermöglichen, ohne die Kontrolle zu verlieren – ein entscheidender Vorteil gegenüber dem pauschalen Blocking-Ansatz vieler Legacy-Lösungen.

3. Blockieren von unsanktionierten MCP-Servern

Mit dem Aufkommen von Model Context Protocol (MCP) als Standard für die Integration von KI-Modellen in Unternehmensworkflows entsteht eine neue Risikoebene: SaaS-basierte MCP-Server. Internet Access ermöglicht das gezielte Blockieren von Zugriffen auf unsanktionierte MCP-Server per URL-Richtlinie, bevor diese überhaupt eine Verbindung zu internen Ressourcen aufbauen können.

4. TLS-Inspektion: Der Blick in den verschlüsselten Tunnel

Generative KI-Dienste kommunizieren ausschließlich über verschlüsseltes HTTPS. Ohne TLS-Inspektion bleibt der eigentliche Inhalt dieser Kommunikation – also die Prompts der Mitarbeiter und die Antworten der Modelle – für Sicherheits-Tools unsichtbar. Internet Access bietet TLS-Inspection, die HTTPS-Traffic entschlüsselt, inspiziert und anschließend wieder verschlüsselt.

So können Content-Filtering-Policies, DLP-Regeln und Prompt-Policies auf den tatsächlichen Inhalt der KI-Kommunikation angewendet werden – nicht nur auf Metadaten. Für den Einsatz ist die Verteilung eines Root-CA-Zertifikats auf verwaltete Geräte (z. B. über Microsoft Intune) erforderlich.

5. Prompt Shield: Schutz vor KI-Manipulation

Prompt Shield ist eines der innovativsten Features von Entra Internet Access. Es operiert auf Netzwerkebene und inspiziert Prompts in Echtzeit, bevor sie das KI-Modell erreichen. Konkret erkennt und blockiert Prompt Shield:

  • Jailbreak-Versuche: Manipulationsversuche, die KI-Modelle zur Umgehung ihrer Sicherheitsrichtlinien veranlassen sollen.
  • Datenlecks durch Prompt Injection: Angriffe, bei denen durch versteckte Anweisungen sensible Informationen aus dem KI-Kontext extrahiert werden sollen.
  • Manipulationen des KI-Verhaltens: Versuche, die KI zu unerwünschten Aktionen zu verleiten.

Prompt Shield integriert sich mit Azure AI Content Safety zur Klassifizierung und Filterung unsicherer Inhalte und kann über Security-Profile und Conditional-Access-Policies granular auf Benutzergruppen angewendet werden. OWASP listet Prompt Injection als LLM01:2025 – also das kritischste Risiko für LLM-basierte Anwendungen.

6. Web Content Filtering und Threat Intelligence

Jenseits des KI-spezifischen Schutzes bietet Internet Access umfassende Filterung von Web-Inhalten nach Kategorien (z. B. Social Media, Glücksspiel, Malware-Seiten) sowie Threat Intelligence Filtering, das Traffic zu bekannten Malware-Domänen, Phishing-Seiten und Command-and-Control-Infrastrukturen blockiert – und das für alle Benutzer, unabhängig von ihrem Standort.

Die Architektur: Wie Internet Access Shadow AI kontrolliert

Benutzer (GSA Client)

    │

    ▼

Global Secure Access Edge

    │

    ├── TLS Inspektion (entschlüsseln/inspizieren/verschlüsseln)

    │

    ├── Shadow AI Discovery (Erkennung & Risiko-Scoring)

    │

    ├── Prompt Shield (Echtzeit-Prompt-Inspektion)

    │

    ├── Web Content Filtering / Threat Intelligence

    │

    └── Conditional Access Policy Enforcement

           │

           ├── Genehmigt: Zugriff erlaubt

           └── Blockiert: Zugriff verweigert + Log-Eintrag

Alle Kontrollen greifen auf Netzwerkebene und sind damit unabhängig vom verwendeten Browser oder Gerätezustand. Der GSA-Client auf dem Endgerät (Windows, macOS, iOS, Android) stellt sicher, dass der Datenverkehr durch das GSA-Edge geführt wird.

Fazit: KI-Sicherheit beginnt im Netzwerk

Shadow AI ist keine theoretische Bedrohung – sie ist gelebte Realität in nahezu jedem Unternehmen. Die Lösung liegt nicht im pauschalen KI-Verbot, das ohnehin an der Realität scheitert, sondern in kontrollierter Sichtbarkeit und differenzierter Steuerung.

Microsoft Entra Internet Access als Teil von Global Secure Access bietet genau das: Eine identitätsorientierte, netzwerkbasierte Schutzschicht, die KI-Nutzung nicht verhindert, sondern sicher macht. Von der Erkennung unsanktionierter Tools über granulare Zugriffskontrollen bis hin zu Echtzeit-Schutz vor Prompt Injection – Internet Access ist die zentrale Komponente einer modernen KI-Sicherheitsstrategie.

Lizenzierung (Überblick, Stand Mai 2026)

  • Microsoft Entra ID P1/P2: Voraussetzung; ermöglicht grundlegende GSA-Funktionen (M365-Profil, Compliant Network Check)
  • Internet Access Standalone: ca. 5 $/Benutzer/Monat (zusätzlich zu P1/P2)
  • Entra Suite: ca. 12 $/Benutzer/Monat – enthält Private Access, Internet Access, Entra ID Governance, ID Protection (P2) und Verified ID Premium
  • Microsoft 365 E7 (GA ab Mai 2026): Erste M365-SKU mit vollständiger Entra Suite inklusive